Herbsttag am Fröttmanninger Berg

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Seminar: Basiswissen für Schafhalter

Es ist schon was dran an dem Spruch „Tue, was Du liebst, und Du musst nie wieder arbeiten“, jedenfalls kann man diese Weisheit auch auf andere Notwendigkeiten als auf Arbeit anwenden: Schulungen z.B. oder sonstige Pflichtveranstaltungen. Sitze ich in Veranstaltungen, deren Besuch eine Pflicht ist und keine Freiwilligkeit beeinhaltet, egal ob Seminar, Abteilungsversammlung oder sonst einem Vortrag,  habe ich immer Probleme, konzentriert bei der Sache zu bleiben. Meistens werde ich hundemüde und muss mich bemühen, nicht einzuschlafen.

Zum Grundkurs Schafhaltung in der Triesdorfer Tierhaltungsschule waren 13 Teilnehmer zusammengekommen, um sich über die kleinen Wiederkäuer zu informieren. In einer kurzen Vorstellungsrunde hörte ich von allen, dass sie bereits in der glücklichen Lage sind, Flächen zur Beweidung zur Verfügung zu haben und das zehn der Teilnehmer bereits schon eine kleine Herde in Hobbyhaltung besitzen. Am ersten Tag wurde neben der allgemeinen Vorstellung der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf umfangreiches Basiswissen über Schafe vermittelt: Es ging um Schafprodukte, die weltweiten Produzenten, Wirtschaftlichkeit und Ablammung.

Danach folgte ein tierärztlicher Vortrag zur Gesundheitsvorsorge: Behandlungsmöglichkeiten bei Innen- und Außenparasiten durch Wurmkuren, Impfungen und Waschen, Trächtigkeit und Geburt, Klauengesundheit usw., unterbrochen von der Mittagspause. Am Nachmittag wechselten wir vom Klassenzimmer zum Triesdorfer Schafbetrieb. Im Stroh- und Heustadel informierte uns die Schäfermeisterin Frau Smietana über Fütterung beim Weidegang und geeignetes Futter für die Zeit, in der die Schafe im Stall sind. Im Hauptstall, wo zurzeit Mutterschafe mit ihren Lämmern die ersten vier Lebenswochen der Jungen verbringen, hörten wir von Stalltechnik, Einstreu und Ausmisten. Überflüssig zu erwähnen, dass Ställe und Anlage in einem vorbildlichen Zustand waren. Die Herde selbst wurde draußen gehütet und war daher nicht zu besichtigen.

Wir wechselten das Gebäude, und im Trakt mit den Boxen, in denen sich die frisch abgelammten Mutterschafe mit ihren Kleinen befanden, erfuhren wir von  Kenn- und Aufzeichnungspflichten, von denen auch Hobbyhalter nicht verschont werden, und was man als Schafhalter an notwendigen Gerätschaften und Materialien braucht. Die Zeit verging wie im Flug und schneller als sonst war der Tag vorbei.

Am Vormittag des zweiten Tages befassten wir uns weiter mit der rechtlichen Situation eines Schafhalters. Tatsächlich ist es so, dass auch der Hobbyhalter eine Betriebsnummer benötigt, um seine Tiere ordnungsgemäß anzumelden und mit doppelten Ohrmarken die Registrierung öffentlich kundzutun. Der Referent, ein Berater vom AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) gab sich alle Mühe, die Regeln und Gesetze zur schriftlichen Bestandsführung und Dokumentation eindeutig an seine Hörerschaft zu bringen. Seine besonders laute Stimme vermittelte den Eindruck einer gewissen Hilflosigkeit und dem Wunsch, Diskussionen des Unabänderlichen zu vermeiden.

Auch sein Vortrag nach der Mittagspause zu den verschiedenen Schafrassen und ihren Merkmalen wurde wiederholt mit dem Hinweis, das sei auch alles im Internet zu finden, umrahmt. Dieser Unterrichtstag ging leider längst nicht so flott und interessant voran wie der erste.

Am Nachmittag folgte eine weitere Praxiseinheit im bzw. am Schafstall. Zunächst erläuterte Frau Smietana die verschiedenen Möglichkeiten des Zaunbaus: Feste und mobile Zäune, der Auf- und Abbau von Elektronetzen sowie die Handhabung von Weidezaungerät und Batterie. Anschließend ging es um die Klauen, wie die Füße der Schafe korrekt genannt werden. Je nach Bodenbeschaffenheit und Rasse ist die Pflege bzw. das Schneiden der Klauen, ein oder zwei Mal jährlich, evtl. aber auch häufiger nötig. Dunkle Klauen sind nicht so pflegeintensiv und wenn die Tiere nicht nur auf weichem Boden stehen und laufen, nutzt sich das Horn auch in großen Teilen von selbst ab. Ein Pflegeschnitt ist aber trotzdem unverzichtbar.

Zur praktischen Übung stand ein großer Eimer mit tiefgefrorenen Schafsbeinen bereit. Mit Messer, Schere und ein bisschen Überwindung machten wir uns ans Werk. Ganz so einfach wie es bei der Demonstration durch Schäfermeisterin aussah, war das Ausschneiden der Klauen auch nicht – und dabei handelte es sich um totes Material, das nicht herumzappelte! Am Ende hatte ich meine beiden Versuche einigermaßen ordentlich abgeschlossen, fühlte mich aber nicht sicher bei dem Gedanken, diese Prozedur am lebendem Schaf zu absolvieren. Man muss sicher etliche Tiere versorgen, um Routine und Sicherheit zu bekommen und korrekt zu schneiden, dass die Schafe keinen Schaden davontragen. Die Schäferin zeigte den Pflegeschnitt auch noch am lebenden Tier, das dazu erst einmal gefangen und auf sein Hinterteil gesetzt werden musste, und wer wollte, konnte es selbst versuchen.

Die Alternative zum Klauenpflegestand

Die Alternative zum Klauenpflegestand

Eine einzige Teilnehmerin hatte sich getraut, aber mittlerweile waren wir schon außerhalb der geplanten Zeit, es war kalt, die meisten wollten wohl auch schnell nach Hause. Eigentlich schade, wie ich finde – hier hätte ich gern noch mehr Zeit gehabt, um das Gelernte zu vertiefen.

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Sightseeing? Sheepseeing!

Die Schafe, die im Englischen Garten gehütet werden, sind ein Anziehungspunkt für Groß und Klein, für Jung und Alt, für Einheimische und Besucher der Stadt und so ist es kein Wunder, dass viele Menschen ganz gezielt zum Gucken, zum Sheepseeing kommen.

Kinder staunen über die wolligen Tiere, viele möchten sie streicheln oder füttern, und gerade die noch kleinen Lämmer sind eine Attraktion. Die Erwachsenen beobachten die Herde und kommen mit allen möglichen Fragen. Die Nummer 1 aller Fragen lautet: Wie viele Tiere sind das wohl? Diese Auskunft wird häufig von Männern verlangt, und es bleibt dann auch meist bei dieser Frage.

Andere Fragen, die mir in letzter Zeit gestellt wurden:

  • Was ist das für ein Hund?
  • Wie lange bleibt die Herde hier?
  • Wo sind die Schafe im Winter?
  • Wann kommen sie in den Stall?
  • Würden Sie einen Border Collie als Familienhund empfehlen?
  • Was passiert mit der Wolle?
  • Warum laufen jetzt alle los? Wo gehen sie hin?
  • Kann ich das Schäfchen mal streicheln?
  • Darf ich mal auf die Koppel und zu den Schafen gehen?
  • Was wird da gerade mit den Tieren gemacht?
  • Warum haben manche Schafe lange Schwänze und andere nicht?
  • Wo gibt es Schäferbekleidung zu kaufen?
  • Sind die Herbstzeitlosen nicht gefährlich für die Tiere?
  • Ist da Strom auf dem Zaun?
  • Ist das Tier dort nicht eine Ziege?
  • Warum haben manche Tiere farbige Markierungen? Was bedeuten diese?
  • Übernachten Sie im Wohnwagen?

Die Menschen sind wirklich interessiert und manchmal entwickeln sich nette, wenn auch nur kurze Gespräche aus diesen Fragen, denn auch bei der gekoppelten Herde ist zu viel Ablenkung nicht hilfreich. Es schadet nicht, immer ein Auge auf die Tiere zu haben und zu beobachten, was vor sich geht. Unruhe entsteht oft durch Spaziergänger-Hunde, die am Zaun Theater machen und die Schafe erschrecken, aber auch, weil die Leittiere entscheiden, dass es Zeit ist, in die andere Richtung zu ziehen, um dort weiter zu fressen.

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An diesem frühen Nachmittag hat sich ein Großteil der Herde satt und zufrieden zum Wiederkäuen hingelegt – Mittagspause gewissermaßen – während es etwas abseits, unbemerkt von den Besuchern, still und heimlich eine Geburt gegeben hat.

DSC00457.JPGMutter und Kind sind wohlauf, und das Schaf ist sehr besorgt um sein Kleines. Während sich das Lamm auf noch wackeligen Beinen schon neugierig umschaut, wird es von seiner Mama weiter  sorgfältig sauber geschleckt. Zwischendurch brummt sie leise vor sich hin, gibt Töne von sich, die wohl nur für ihr Lämmchen bestimmt sind. Andere Schafe, die sich nähern und das neue Mitglied der Herde scheinbar begrüßen und begutachten wollen, werden von der stolzen Mutter unmißverständlich auf Abstand gehalten. Der Schäfer wird sich freuen, denn dieses Schaf ist ein gutes Muttertier und das Lamm kräftig und gesund genug, um im beginnenden Herbst in der Herde aufzuwachsen.

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Schafe in der Stadt

Im Münchener Nordosten ist eine Wanderschäferei beheimatet, deren Herde durch die am Stadtrand gelegenen Ortsteile auf Straßen zieht, die üblicherweise dem motorisierten Verkehr vorbehalten sind. Doch wenn der Schäfer kommt, stehen alle Fahrzeuge – große und kleine Autos, Laster, Motor- und Fahrräder, ja sogar die Busse des Nahverkehrs – still, bis die Herde unzähliger Schafe an ihnen vorbeigezogen ist und die Fahrbahnen wieder frei gibt. Die meisten Menschen in den Fahrzeugen nehmen diese Zwangspause gelassen hin, zücken ihre Smartphones zum Telefonieren oder, häufiger noch, zum Fotografieren. Es ist gut zu beobachten, wie der Anblick der Schafe ein Lächeln auf die Gesichter zaubert. Nicht nur Kinderaugen, die so viele Schafe auf eins noch nie gesehen haben, glänzen vor Freude.

Aus den Häusern kommen die Leute an die Gartenzäune oder stehen an den Fenstern und schauen dem unerwarteten Spektakel zu. Einige scheinen besorgt, die Tiere könnten die Vorgärten ruinieren, doch die meisten sind sichtlich erfreut über den Anblick und kommen mit ihren Nachbarn ins Gespräch. Wie viele von ihnen sehen so einen Zug wohl zum ersten Mal? Wie viele können sich an Zeiten erinnern, in denen Nutztiere zum alltäglichen Anblick dieser Gegend gehörten? Die ungezählten Schafe, Lämmer und Ziegen, der Schäfer mit seinem Hund an der Spitze und zwei Helfern am Ende, die die Herde treiben und beaufsichtigen, ziehen die Menschen an. Auch wenn sie nach einiger Zeit wieder umkehren, laufen Kinder dem Zug wolliger Vierbeiner wie dem Rattenfänger hinterher.

Hat der Schäfer sein Ziel, in der Regel eine Hutung, wo seine Tiere sich satt fressen können, erreicht, zieht auch diese Situation die Vorbeikommenden an.

Aus anhaltenden Autos steigen die Insassen, Radfahrer und Fußgänger halten an, schauen den Tieren zu, machen Fotos und alle haben dieses leicht entrückte, glückliche Lächeln im Gesicht. Sie scheinen dankbar zu sein für die überraschende Begegnung, die ihnen ein wenig Abwechselung im Alltag beschert.

Anders als in stark ländlich geprägten Gegenden mag das Motto der Schäfer „Wir pflegen die Landschaft, die Sie lieben“  an der Peripherie der Großstadt nicht diese Gültigkeit zu haben, trotzdem sorgt die vorbeiziehende Herde für Freude bei den Menschen, gibt Gelegenheit zum Innehalten und vermittelt, wenn sie im Englischen Garten anzutreffen ist, den Stadtkindern ein Stückchen mehr Natur.

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Neues Spiel, neues Glück?

Nachdem ein Probearbeitstag auf einem Bioland-Hof im Kreis München mit heftigem Kopfschütteln über die angebotenen Bedingungen (Kost und Logis im tageslichtlosen Kellerzimmer, kein Taschengeld, Arbeiten bis zum Umfallen) beendet war und mir zuhause die Decke auf den Kopf zu fallen drohte, einige Tage bei den Kümmelbauern mit leichten Arbeiten zwar hilfreich, aber schaflos waren, erhielt ich auf meine erneute Anzeige

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ein Angebot eines Schafhofes im Westerwald. Demeter-Zertifiziert, 120 Milchschafe, eigene Futtergewinnung. Die Milch dieser Schafe wird ein bis zwei Mal die Woche zu einem Käse verarbeitet, der über eine große Bio-Molkerei in die Läden verteilt wird. Also keine Stelle, wo ich mich am Ende nur in der Käserei wiederfinden würde. Das klang am Telefon ja schon mal nicht uninteressant, wenn auch das Thema der tatsächlichen Tätigkeiten doch recht vage mit „Tagesroutinen“ bezeichnet wurde.

Nach dem Motto „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ mache ich mich an einem heißen Mittwoch früh am Tag auf den über 500 km langen Weg, bin bester Dinge und voller Vorfreude auf die Schafe. Den Hof, abseits vom Dorf gelegen, erreiche ich über eine Allee, gesäumt von gezäunten weitläufigen Weideflächen, auf denen ich in unmittelbarer Hofnähe auch schon bald die kleine Milchschaf-Herde ausmachen kann.

Ich bin früher als verabredet dort, warte aber weniger als eine halbe Stunde, bis der Eigner dieses Anwesens eintrifft. Er kommt von einem Ausflug mit seinen Border-Collies zurück. Das Rudel besteht aus einem schon sehr betagten, freundlichem Rüden und einer jungen, quirligen Hündin mit ihren vier sechswöchigen Welpen.

Die Begrüßung ist angenehm. Ich werde durch das Wohnhaus geführt, das um 1900 erbaut wurde und sich in großen Teilen noch im ursprünglichen, sehr charmantem Zustand befindet. Ich darf eines der einfachen, aber im Gegensatz zu früheren Erfahrungen wenigstens sauberen Zimmer in der zweiten Etage wählen und trage noch schnell mein Zeug nach oben, bevor es gleich schon Zeit zum Melken ist.

Der Melkstand ist ungeputzt, aber modern. Die Schafe stehen auf Edelstahl-Lochblechen vor den Futterschalen, die sie durch das Fressgitter, mit dem sie zum Melken fixiert werden, leer futtern. Das Melkpersonal steht eine halbe Etage tiefer auf Fliesen und melkt jeweils zwölf Tiere, bevor gewechselt wird. Das Melkzeug ist schnell angesetzt. Die meisten Schafe halten willig still.

Nachdem das Melken erledigt ist, wird die Herde zurück auf die Weide getrieben und mir wird die Käserei gezeigt und erläutert.

Am nächsten Morgen wird aus der Milch der vergangenen Tage Käse erzeugt, der, nachdem die Masse in Formen geschöpft wurde, alle paar Stunden unter Einhaltung penibler Sauberkeit mittels Einmalhandschuhen gedreht wird. Meine weiteren Aufgaben an diesem Vormittag: Kontrolle und Verräumung der angelieferten Produkte, die über den hofeigenen Vertrieb an verschiedene Bioläden weitergegeben werden. Während ich damit beschäftigt bin, ist der Chef für zwei Stunden zum Schwaden gefahren, aber pünktlich zur ausgiebigen Mittagspause zurück. Wir bereiten gemeinsam eine einfache schmackhafte Mahlzeit aus Linsen und einen Apfelkompott aus den von mir frisch gepflückten und geschälten Äpfeln. Zum Kompott probiere ich den auf dem Hof hergestellten Joghurt, der brutal nach Schafstall (Hygiene?!) schmeckt und mir leider gar nicht taugt. Bis halb drei ist dann Mittagsschlaf angesagt. Ich sitze draußen und vertreibe mir die Zeit mit meinem Strickzeug, bevor es einen Kaffee gibt, für mich die Anweisung, die Schaftränken auf der Weide zu kontrollieren und der Herr des Hofes sich auf dem Traktor wieder davon macht.

Um die Wasserkübel aufzufüllen, muss der Wasserschlauch aus dem großen Schafstall gezogen werden. Der Stall ist von 1993, nicht ganz so groß wie der schöne Eichholzer Schafstall vom Wanderschäfer, und furchtbar unaufgeräumt. Alles mögliche an Gerätschaften, Hurden und Rundballen steht herum. Die zehn Lämmer, die hinter dem Zeug ihr Dasein fristen, lassen sich nur durch ziemliche Rumturnerei erreichen und das Auffüllen des Wassers gestaltet sich umständlich. Leichter ist dagegen das Reinigen und Auffüllen der Kübel auf der Weide.

Ich spiele im Anschluß ein wenig mit den kleinen Hundchen und verwöhne die Alttiere und die Katze mit reichlich Streicheleinheiten, bis der Bauer zurück ist und wir gemeinsam das Melken erledigen, was zack-zack und ohne Freundlichkeiten zu den Tieren vonstatten geht. Schafe, die sich kitzelig oder sonstwie unkooperativ zeigen, werden ziemlich rauh in ihre Schranken gewiesen. Mir gefällt diese Art nicht und ich frage mich, ob das wirklich sein muss.

Freitagmorgen wird der Käse aus der Form genommen und für den Besteller in Thekenverkaufsschalen verpackt. Ich erfahre, dass diese Kunststoffbehälter ebenso wie benötigte Eimer nicht nur im konventionellen, sondern auch im Bio-Lebensmitteleinzelhandel nicht wiederverwertet, sondern weggeworfen werden. Schnell ist das Abwiegen und Verpacken erledigt, und der Bauer verschwindet im Anschluss wieder mit dem Trecker. Mir obliegt das Reinigen der Käserei und das Wegräumen gelieferter Verpackungsbehälter, keine Beschäftigungen, die den ganzen Vormittag dauern. Der Tag setzt sich dann fort wie der vorhergehende. Mittagessen gemeinsam bereiten und einnehmen, Mittagspause, Kaffee, Tränken. Zwischen Tränken und Melken mache ich einen kleinen Spaziergang. Das Melken am frühen Abend  ist stressig, denn der Trecker ist ärgerlicherweise im Laufe des Tages kaputt gegangen und außerdem ist noch ein Lohnunternehmer für das Wochenende zu beauftragen, was mit diversen Telefonaten verbunden ist.

Irgendwann im Laufe dieser Tage erfahre ich, dass der Hof baldmöglichst abgegeben werden soll, um in den Ruhestand zu gehen. Die Arbeit sei so beschwerlich geworden und der Betriebsleiter immerhin auch schon 57 Jahre alt. Ich bin ziemlich entsetzt, dachte ich doch, als freischaffender Landwirt mit scheinbar gutem Auskommen sei das Denken über oder an den Ruhestand anders als im Büro. Ansonsten kommen irgendwie keine wirklichen Gespräche zustande – hingeworfene Gedankenfetzen oder kurze Informationen über dieses und jenes, die meine Vorstellung über Biolandwirtschaft und die von mir angenommenen hehren Absichten dahinter ziemlich auf den Kopf stellen, aber konkrete Fragen meinerseits, die sich überwiegend um die Schafhaltung drehen, werden kaum ausreichend oder oft gar nicht beantwortet. Ich bin zunehmend frustriert und frage mich, was ich hier eigentlich will.

Am Sonnabend ist der Hundezwinger zu reinigen. Während der Bauer sich an die Reparatur des hergeschleppten Treckers macht, schaufle ich die Kotwürstchen der Welpen und den verschmutzten Sand des Pinkelhaufens auf eine Schubkarre, reiße Brennnesseln aus und spritze die ganze Anlage mit Wasser sauber. Frischen Sand hole ich von einem Haufen in Stallnähe, und als der im gereinigten Zwinger ausgebracht ist, bin ich schmutzig und fertig für die Dusche. Zwischenzeitlich ist auch der Schlepper wieder einsatzbereit, aber außer Mittagessen, Pause, Tränken kontrollieren und sich mit den kleinen Hunden beschäftigen, steht bis zum Melken am Nachmittag nichts an. Wir sitzen draußen und lesen jeder für sich, zwischendurch wird mir erzählt, wie unmöglich sich Spaziergänger gelegentlich verhalten, die den über den Hof führenden Wanderweg benutzen. Ist mein Gastgeber(?)/Arbeitgeber(?) ein Choleriker? Auf jeden Fall wird er mir stündlich unsympathischer und die Vorstellung, mit diesem Menschen vier Wochen zu verbringen, reichlich unangenehm.

Das Melken an diesem Tag setzt dem ganzen eine unrühmliche Krone auf. Husch-husch soll es gehen, bitte schön. Das erste Schaf fällt vom Melkstand in die Melkergrube, weil es nicht schnell genug nach dem Melken Richtung Ausgang geht und sein Besitzer es mittels eines schubsenden Hiebes in die Seite antreibt. Als ich zwischen zwei Melkgruppen einen Haufen vom Melktisch entfernt habe, wartet der große Meister nicht, bis ich mit der Schaufel weg bin, sondern öffnet die Tür. Das erste Schaf, das mich mit der Schaufel sieht, springt panisch zur Seite und stürzt in die Grube. Ich bin bestürzt, werde aber noch angemeckert, dass der Mist ruhig auf dem Tisch liegen bleiben könne und ob ich das in dem Melkkurs bei den Kühen etwa so gelernt hätte. Unglaublich, wie blöd dieser Mann ist. Ich gebe mir alle Mühe, ruhig weiterzuarbeiten. Das dritte Schaf, das den Weg in die Grube findet, ist eines, das sich gegen das Melkgeschirr wehrt und tritt. Erst erhält es einen Hieb in die Seite. Als das nicht hilft, zieht und zerrt sein Besitzer das arme Tier voller Wut vom Stand herunter. Ich bin den Tränen nahe, wie man so mit seinen Tieren umgehen kann. Wenigstens scheinen die Tiere den Sturz unverletzt überstanden zu haben.

Was will ich auf so einem Hof? Von einem Betrieb dieses Verbandes habe ich eine hohe Ethik erwartet. Tatsächlich scheint das orange Label nur der Gewinnmaximierung zu dienen. Das einzige, was ich hier für mich persönlich mitnehmen könnte, wäre Routine in der Melkerei zu erlangen. In der Nacht entscheide ich, dass meine Erwartungen, etwas zu lernen und mein Wunsch, an und mit den Tieren zu arbeiten, hier nicht erfüllbar sind, packe am nächsten Morgen in aller Herrgottsfrühe mein Zeug, hinterlasse einen handgeschriebenen Gruß und fahre nach Hause.

Die in der Überschrift gestellte Frage kann ich leider nur mit einem seufzenden „Es soll wohl nicht sein“ beantworten.

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Auf über 40° C …

… ist das Schaffieber letzte Nacht gestiegen.

Ich muss wohl geträumt haben. Auf jeden Fall bin ich im eigenen Bett nach zwei Stunden wieder aufgewacht, hab gar nicht realisiert, dass ich gerade zuhause bin, und hatte irgendwie im Sinn, dass mir die Schafe verloren gegangen sind. Sollte da draußen nicht der Pferch mit den Mähdels sein? Bin zum Liebsten, der noch wach war, in die Stube gestolpert, hab nach den Schafen gefragt und erst da wurde mir klar: Hier ist alles in Ordnung. Alles nur geträumt.

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Wurmkur

Kurz vor der Schur hatte die Herde Besuch vom auf Schafe spezialisierten Tierarzt, der von mehreren, zufällig ausgewählten Lämmern und Altschafen Kotproben zum Nachweis von Wurmbefall genommen hat. Die Proben wurden im Labor untersucht, um festzustellen, von welcher Art Würmern die Herde befallen ist und um danach das entsprechende Mittel auszuwählen.

Nach der Schur brachte der Tierarzt die oral zu verabreichende Lösung vorbei. Um das Wurmmittel in das Schaf zu bringen, benötigt man eine sogenannte Drenchpistole.An dieser Pistole ist die individuelle Dosierung einstellbar. An einem Ende befindet sich der Applikator, der dem Tier ins Maul geschoben wird, am anderen Ende der Schlauch, über den das Medikament aus dem Container, der wie ein Rucksack getragen wird, per Pumpmechanismus in die Pistole befördert wird.

In  Gastenfelden hatten wir zur Vorbereitung der Entwurmungsaktion bereits einen Treibgang aus Metallhorden mit zwei Toren installiert. Je mehr Tiere in diesem Treibgang festgehalten werden können, umso problemloser verläuft die Verabreichung. Sind zu wenig Tiere in diesem Durchlauf, versuchen sie durch Vor- und Zurücklaufen der Prozedur zu entgehen und müssen massiver festgehalten werden, ein Vorgehen, das für den Verabreicher und die Schafe gleichermaßen anstrengend ist.

Um 7 Uhr sind wir losgefahren, hatten noch einige Vorbereitungszeit, um die Herde von der Koppel in den Trichter zum Treibgang zu befördern, Hunde und Helfer zu platzieren, aber kurz nach 8 Uhr wurde es Ernst und mit den Drenchpistolen im Anschlag haben wir bis um 11 Uhr fast allen Jährlingen, Schafen und Ziegen das Wurmmittel verabreichen können. Dann waren die mitgenommenen Container leer und die kleine Flasche, die der Tierarzt für den Fall, dass 10 l nicht ausreichen, mitgegeben hatte, stand dummerweise im Stall.

Die nicht entwurmten Tiere wurden farblich markiert und am nächsten Tag mussten alle Tiere erneut getrichtert werden, um auch den letzten Schafen und Ziegen das Wurmmittel einzugeben.

 

 

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