Wieder im Englischen Garten

Seit dem 1. Mai sind die Schafe zurück im Englischen Garten, nicht nur zur großen Freude der unzähligen Fans, die sich vor dem Zaun sammeln und die Tiere beobachten.

Als ich gestern gegen zehn Uhr eintraf, hatte die Herde den Nachtpferch gerade verlassen und sich mit guten Appetit an das Tagwerk gemacht. Die Luft war am frühen Vormittag noch recht kühl, aber die Sonne wärmte schon ganz ordentlich. Ich freute mich an der schönen Natur, der üppigen Weide mit ihren zahlreichen Blüten und über den prächtigen Buntspecht, der sich von meiner Anwesenheit nicht stören ließ und sich an einer Weide keine fünf Meter von Nero und mir zu schaffen machte.

Nicht nur den Schafen beschert dieser Frühling frische Kost, auch für uns Menschen kommt der Genuß jetzt nicht zu kurz und wir können aus dem Vollen schöpfen. Erdbeeren aus der Region, am Vortag beim Marktstandl meines Vertrauens gekauft, hatte ich mir als Verpflegung mitgebracht. Lecker, und bei diesem Wetter draußen essen zu können, machte die Pause perfekt.

Dass vom Aumeister, dem Ausflugslokal mit Biergarten in unmittelbarer Nähe, ständig verlockende Düfte herangeweht kamen, meine Nase kitzelten und den ganzen Tag Appetit auf Grillhendl und Steckerlfisch machten, sei nur am Rande erwähnt.

Auf dem Wiesenstück hinter der Koppel, an dem Schäfers Wohnwagen parkte und wo sich selten ein Spaziergänger hin verirrt, standen einige Apfelbäume in einem guten Abstand für eine Hängematte. Das wäre eine der seltenen Gelegenheiten gewesen, die Hängematte auch einmal außerhalb der heimischen Gefilde zu nutzen, aber es war schon gut, dass ich den Tag nicht träumend und schaukelnd an der Koppel verbringen konnte. Sonst hätte ich den fremden Hund, der sich unerlaubterweise über den Zaun und auf die Schafe zubewegt hatte, vielleicht zu spät bemerkt. Mein Schreck über diesen Anblick war nur kurz und Nero ließ sich schnell schicken; der gelbe Labrador war durch die Konfrontation mit dem Hütehund von den Schafen abgelenkt und wollte jetzt nur zurück zu seinem verzweifelt rufenden Frauchen. Doch zwischen ihr und ihm war der Elektrozaun, mit dem er nun unangenehme Bekanntschaft machte, was ihn völlig von der Rolle brachte. Sein Schmerzenslaut ließ kein Mitleid in mir aufkommen, ich war eher froh, Gewissheit zu haben, dass der Zaun ordentlich funktionierte. Die Diskussion mit der sich wiederholt entschuldigenden Frau war nur kurz und nachdem der Eindringling mit meiner Hilfe über den Zaun und bei seiner Besitzerin zurück war, gingen alle wieder ihrer Wege.

Keinem Schaf war etwas geschehen. Glücklicherweise. So etwas kann schnell auch ganz anders ausgehen, aber dieser Eindringling hatte nicht einmal Gelegenheit gehabt, dicht genug an die Herde zu kommen, um mehr als eine kurze Unruhe zu verursachen und so grasten meine Schutzbefohlenen unbekümmert weiter. Aus dem Nachmittag wurde früher Abend und die Tiere fraßen, fraßen, fraßen als würde es am nächsten Tag nichts mehr geben.

Dann mit einem Mal – auf der Koppel war eigentlich noch genug zu fressen – standen alle Schafe miteinander wie auf Kommando abmarschbereit, schauten in meine Richtung und verlangten laut mähend und blökend nach der Fläche auf der anderen Seite des Zauns. Vielleicht meinten sie auch, ich könne jetzt mal langsam Feierabend machen? Wenige Minuten später war die Nachtweide bereit, ich öffnete der mittlerweile peinlich lauten Herde den Durchlass und verhalf der Umgebung so schlagartig wieder zu angenehmer Ruhe.

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