Lammzeit

Es ist Februar, Hochsaison der Lammzeit, denn jetzt bekommen alle Schafe, die im September gedeckt wurden, nach einer Tragzeit von fünf Monaten ihren Nachwuchs. Zwillinge sind an der Tagesordnung, Einlinge weniger und wirklich selten sind Drillinge. Drei Lämmer von einer Mutter bedeuten häufig, dass eines mit der Flasche aufgezogen werden muss, und dass nicht nur, weil das Schafseuter nur zwei Zitzen hat. Auch wenn sie noch so niedlich sind: Flaschenlämmer bedeuten aufwendige Extraarbeit und die aus der Flasche gefütterte Milch aus Milchpulver oder Kuhmilch ist niemals so optimal wie die Milch der eigenen Mutter.

In aller Regel sind Schafe gute Mütter, die sich liebevoll um ihren Nachwuchs kümmern, allerdings nur um ihren eigenen. Es gibt Situationen, in denen sich Ausnahmen von der Regel ergeben, wenn z.B. das Schaf keine Mütterlichkeit entwickelt und sein eigenes Lamm nicht annimmt, weil es auch mal ein Euterproblem geben kann oder vielleicht zu wenig Milch für ein zweites oder gar drittes Lamm da ist. In solchen Fällen einem anderen Mutterschaf ein fremdes Lamm unterzuschieben (unterzustoßen, wie der Schäfer sagt), bedarf einiger Tricks, die nicht immer von Erfolg gekrönt sind. In letzter Instanz hilft dann nur das Aufziehen mit der Flasche.

Trotz aller Mütterlichkeit ist es gerade in großen Herden sinnvoll, Mutter und Kind zunächst für einige Tage in einer Box separat zu halten. So können sie sich so gut aneinander gewöhnen, dass sie sich später auch im Gewusel von mehreren hundert Tieren immer wieder finden.

Die Geburt kann in einigen Fällen mit Komplikationen einhergehen, die den Eingriff des Schäfers nötig machen. Meistens jedoch lammen Schafe sehr gut und auch recht schnell allein. Sie sondern sich dazu ein wenig von der Herde ab. Wenn das Junge geboren ist, beginnt das Mutterschaf es sauber und trocken zu lecken und so von Schleim und den Eihäuten zu befreien. Das Lamm übt sich währenddessen schon darin, auf die Beine zu kommen und auf eigenen Füßen zu stehen, um schnell ans Euter zu gelangen und die lebenswichtige Biestmilch, durch die wichtige Immunstoffe von der Mutter weitergegeben werden, zu trinken. Ein eventuelles Geschwistertier kommt nach kurzer Zeit, meist ist das Erstgeborene dann aber schon saubergeschleckt. Auch das zweite Tierchen wird sorgfältig gesäubert. Das Mutterschaf gibt in den ersten Stunden immer wieder ein leises, schmeichelndes Knurren von sich, das der Intensivierung der Mutter-Kindbindung dient.

Nun ist es Zeit, Mutter und Lämmchen in die Gewöhnungsbox zu bringen. Man nimmt die Lämmchen an den Vorderbeinen und trägt sie seitlich, sodass das Mutterschaf es sehen kann und bereitwillig folgt. Hat man das Neugeborene eh schon in der Hand, wird auch gleich sein Nabel mit einer Jodlösung desinfiziert. Für ungefähr drei Tage bleibt die kleine Familie in der Box getrennt von anderen Schafen. Es ist aber nur eine räumliche Trennung, denn die Boxen stehen jeweils nebeneinander, sodass die Schafe den für sie als Herdentiere wichtigen visuellen und akustischen Kontakt zu den anderen Tieren nicht verlieren. Spätestens jetzt sollten die Tiere, die mit Rohfaser aus Heu oder Weidegang eigentlich optimal versorgt sind, mit nährstoffreichem Zufutter wie Getreide oder auch Silage versorgt werden. Nach der Phase in der Gewöhnungsbox geht es mit anderen Mutterschafen und ihren Lämmern in eine Kleingruppe. Vorher wird den Tieren mit Sprühfarbe eine Nummer auf die Wolle geschrieben: Mutter und Kind erhalten die selbe Nummer, sodass der Schäfer sie später auch in der großen Herde einander zuordnen kann.

 

 

 

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