Vom Blog zum Buch

Im Laufe der Zeit haben einige Leser gelegentlich angeregt, ob ich nicht ein Buch aus dem Blog machen wolle, was ich mir selbst aber nicht vorstellen konnte. So toll finde ich meine kleinen Schafserlebnisse ja nicht, dass sie neben den regelmäßigen Lesern und denen, die zufällig zu diesem Blog finden, ein größeres Publikum interessieren könnten. Irgendwie habe ich mich dann aber doch mit der Idee anfreunden können, dass ein Buch vielleicht ganz nett sein könnte – weniger der Texte als der Fotos wegen. So wie man ja früher, als Fotos noch nicht digital und durch die Preise für Filme, Entwicklung und Abzüge in gewisser Weise limitiert waren, die schönsten in ein Album geklebt und dieses als Erinnerung für sich und zum Herzeigen für Familie und Freunde ins Regal gestellt hat.

Das war der Grundstein für die Buchidee. Mein Liebster, der aus seinem eigenen Blog jährlich ein Buch macht, war sofort bereit mich technisch zu unterstützen und so habe ich mich der Herausforderung gestellt. Das Format für mein Buch war schnell gefunden – A4 im Querformat konnte ich mir gut vorstellen.

Die Suche nach der Schriftart war dann schon aufwändiger. Mir gefiel bei Bildbänden schon immer gut, wenn die Texte in einer Art Handschrift hinterlegt sind. Die Handwriting-Types, die ich zur Auswahl hatte, waren allesamt entweder zu schnörkelig oder zu kantig und nicht nach meiner Nase. Andere Schriftarten wiederum erinnerten zu sehr an Geschäftsbriefe und Behördenpost und kamen deshalb nicht in Frage. Ich hatte mich für meinen Geschmack schon viel zu lange mit der Suche nach der passenden Schrift aufgehalten – erwähnte ich jemals, dass mein zweiter Name Ungeduld ist? – und war kurz davor, das Vorhaben wieder aufzustecken. Wenn schon die Vorbereitungen so lange dauerten, wie lange würde dann der Rest brauchen? Zwei Tage, dachte ich, sollten reichen – schließlich bin ich auch nicht der geborene Stubenhocker – mehr Zeit wollte ich eigentlich nicht investieren. Naja, irgendwie habe ich mich dann doch noch für eine Schrift entschieden, während Gerhard mir das Rohformat eingerichtet hatte, und ich konnte mich endlich ans Werk machen.

Die Idee, in zwei Tagen fertig zu sein, konnte ich schnell begraben, selbst bei einem Arbeiten rund um die Uhr würden 48 Stunden nicht ausreichen.

Die Gestaltung der Seiten, die Aufteilung zwischen Text und Fotos, stellte ich schnell fest, ist für jemanden, der das nicht gelernt hat, ziemlich tricky. Blättert man in Zeitschriften oder bebilderten Büchern, erscheint einem alles so selbstverständlich und leicht. Sitzt man selbst vor dem Rechner mit der entsprechenden Layout-Software, bekommt man verdammt schnell Respekt vor der Arbeit der Profis. So habe ich im Dezember und Januar an vielen Tagen etliche Stunden diesem Buch gewidmet, um manchmal dem Wahnsinn, wenn etwas nicht gelang, nur um Haaresbreite zu entkommen. Mit fortschreitender Herstellung wurde ich gelassener, was den Umgang mit der Software anging, allerdings auch hippelig vor freudiger Erwartung, bald das Buch in den Händen zu halten.

Als Texte und Bilder komplett zusammengefügt waren, ging es an das Korrekturlesen. Mir fiel diese konzentrierte Fehlersuche wie immer schwer, denn ich kenne meine Texte ja und lese deshalb meist großzügig über meine kleinen oder großen Tippfehler, falsche Zeichensetzung oder Rechtschreibfehler hinweg. Und doch habe ich in der ersten Runde einiges gefunden, was auch im Blog auszubessern war. Ach so, die Gestaltung des Inneneinbandes mit Inhaltsverzeichnis und Danksagung musste ja auch noch sein. Also erstmal wieder an den Bücherschrank und gespickt, wie es in anderen Büchern aussieht, um Inspiration zu bekommen und eine Idee zu entwickeln.

Als das Innenleben vollständig war, musste die Datei für die Übertragung zur Druckerei in ein PDF umgewandelt werden. Nun endlich war ich wieder eine Spur näher am Endprodukt und konnte mir die Seiten wie im Buch auf dem Bildschirm ansehen. Toll! Ich war recht begeistert, auch wenn ich nochmals zwei Fehler gefunden habe, die auszumerzen waren. Das war allerdings nicht dramatisch,  weil die Datei mit fast 4 Gigabyte eine Größe hatte, die als Upload nicht zu gebrauchen war und das Original ein zweites Mal mit Komprimierung in ein PDF mit 169 MB umgewandelt werden musste.

Danach, oh weh!, war das Buch immer noch nicht fertig, denn der Einband musste auch noch erstellt und gestaltet werden. Meine Geduld war fast aufgebraucht, den Einband hatte ich gar nicht auf dem Zettel gehabt. Meine Idee, mit einem schmalen Fotostreifen am unteren Rand Buchdeckel und -rücken zu gestalten, führte mich in eine Sackgasse. Wohin mit dem Titel und welche Farbe für den Rest? Auf diese Frage fand ich trotz einiger Versuche keine Antwort. Hier war ich wirklich am Ende meiner gestalterischen Möglichkeiten angekommen. Dann überlegte ich mir Ungewöhnliches: Wäre ein Einband aus echtem Fell oder weicher Wolle nicht ein Knüller? Solche Möglichkeiten bietet die ausgewählte Druckerei leider nicht, aber vielleicht fände sich ein geeignetes Foto in meinem Fundus. Obwohl ich etliche Schafe fotografiert habe, war kein Foto geeignet, nur das wollige Fell auszuschneiden und zu verwenden. Natürlich hätte ich bei nächster Gelegenheit entsprechende Fotos machen können, aber dazu blieb mir, von chronischer Ungeduld geplagt, wirklich keine Zeit. Ich probierte Wiesenbilder, die es aber irgendwie auch nicht waren, bis ich auf ein Foto von sauberer Einstreu stieß, was ich letztendlich auch verwendete.

Dass Gerhard es nicht so eilig hatte („Die Druckerei arbeitet heute am Sonntagabend doch sowieso nicht“) und erst nach gehöriger Quengelei meinerseits am Montag das Datenpaket am Dienstag zur Druckerei gelangte, sei der Vollständigkeit halber noch erwähnt. Dann hieß es warten. Am Mittwochvormittag erreichte mich Gerhards Whatsapp, dass sich das Buch bereits in Produktion befände, doch ich sollte mich noch länger als eine Woche in Geduld üben, bis ich am Freitagnachmittag das Päckchen öffnen und mein Buch endlich das erste Mal in Händen halten konnte. Mein Hauptaugenmerk galt den Bildern und leider mußte ich erkennen, dass die Qualität im Druck nicht die ist, die ich auf dem hellen Mac-Monitor sehe. Dunkle Stellen erscheinen verwaschen, ohne Details, einfach nur dunkel. Hier hoffe ich, dass ich mit Gerhards technischer Unterstützung eine Verbesserung der betroffenen Fotos erzielen kann, um nach einer zweiten Runde in der  Druckerei ein wirklich perfektes Buch zu besitzen.

 

 

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Eine Antwort zu Vom Blog zum Buch

  1. Brigitta schreibt:

    Es geht doch nichts über das haptische Vergnügen ein Buch in der Hand zu halten – ganz besonders wenn es das eigene ist!

    Gefällt mir

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