Es ist Winter geworden

DSC00531.JPGDer Januar bringt nun auch den allfälligen Schnee und Frost und malt die schöne oberbayerische Landschaft winterlich in den Farben der Landesflagge weiß und blau. Heute Vormittag hat es im Brucker Moos, wo die Herde steht, noch eisige 15 Grad minus, aber die Sonne scheint und es ist windstill. Auf den weiten Flächen fänden die Schafe noch genug zu fressen, hätten nicht  viele Wiesen kürzlich noch eine Gülledusche erhalten, was das Gras unter dem Schnee ungenießbar DSC00543.JPGgemacht hat. Ein Acker mit Senf ist das erste Ziel des Tages und mit gutem Appetit machen sich die Schafe ans Werk. Wie überall kommen auch hier Spaziergänger mit den üblichen Fragen, aus denen sich meist kleine Gespräche entwickeln. Die Herde ist aber gar nicht ihr primäres Ziel, denn ein Grundstück weiter wurde vor kurzem ein Windrad aufgestellt, das die Leute zum Gucken DSC00560.JPGlockt. Gerade aber steht sein Propeller still. Was für ein Glück – kalter Wind ist selbst bei schönsten Sonnenschein nichts, was auf Dauer Freude bringt wenn man bei dieser Temperatur draußen zu tun hat. Meine neuen Thermostiefel erfüllen ihren Zweck, für warme Füsse zu sorgen, ganz ausgezeichnet. Außer ihnen trage ich unter der Moleskinhose eine Leggings und darüber nach dem Motto „viel hilft viel und bloß nicht frieren“ noch DSC00547.JPGSkiunterwäsche. Die Kniestrümpfe, die ich mir für den Skikurs in meinem ersten bayerischen Winter gekauft hatte, finden heute ebenfalls Verwendung. Obenrum halten mich Wollpullover, Schal, Parka und Mütze warm, und so stehe ich an der Herde, freue mich des Lebens und über den Anblick der Sternsinger, die am heutigen Tag der Heiligen drei Könige von Hof zu Hof laufen und ihren Segen bringen.

DSC00554.JPGDSC00551.JPGDen Schafen und Ziegen ist das egal, sie tummeln sich genüßlich schmatzend im Senf, und etwas Abseits gibt sich ein verliebtes Pärchen ein romantisches Stelldichein.

 

DSC00535.JPGDer Schäfer will nach den nächsten Weidegründen suchen und überlässt mir mit dem Hüteauftrag die junge Hündin Flora, deren Gesicht wie bei einem geschminkten Harlekin zweifarbig ist: rechts schwarz, links grau. Flora hat reichlich Hummeln im Hintern und würde gern die Herde nach ihrer Fasson neu aufstellen. Sie lungert um mich herum, sitzt, liegt, steht kurz auf, fiept, heult, jammert zum Gotterbarmen und würde ja so gern, was sie gerade nicht darf. Als die Ziegen sich langsam in den Wald verdrücken wollen, pfeife ich ein kurzes Kommando. Die Erlösung für den arbeitswütigen Hund – Flora geht ab wie die sprichwörtliche Rakete, sorgt am Waldrand für Ordnung und versetzt dabei den unbeteiligten Schafen einen gehörigen Schreck, die ein ganzes Stück nach unten zum Rest der Herde springen. So viel Druck sollte der Hund eigentlich nicht machen, aber wenigstens lässt Flora sich zurückrufen, sodass die Herde DSC00562.JPGsich nach kurzem Sortieren wieder ans Fressen macht. Die Schafe scharren im Schnee und legen dabei tiefgekühltes Grünfutter frei, das ihnen offensichtlich genügt. Viel ist es nicht, verglichen mit dem im Sommer reichlich gedeckten Tisch und auch nach zwei Stunden ist noch kein Tier satt. Betrachtet man das Wetter, das aufwändige Scharren und die Tatsache, dass etliche Tiere im nächsten Monat Mutterfreuden entgegensehen, könnte man sich Sorgen machen, die Herde litte Hunger. Bis zu 20 cm Schnee, höre ich vom Schäfer, der von seiner Erkundung zurückgekehrt ist, sind unkritisch und die Schafe finden unter dem Schnee noch immer etwas Nahrhaftes. Wenn es mehr wird, muss nicht wie jetzt zu-, sondern voll gefüttert werden und das wäre arbeitstechnisch und finanziell ein unerwünscht großer Aufwand.

Wir machen uns auf den Weg zum nächsten Futterplatz, queren die wenig befahrene Landstraße ohne Probleme und biegen nach kurzer Strecke in einen schmalen Waldweg. Huh! Hier im Schatten ist es deutlich kälter. Noch friere ich nicht, bin ja auch in Bewegung und am Ende des Waldes beschäftigt, die hungrigen Mäuler von den jungen DSC00565.JPGBäumchen fernzuhalten. Der Schäfer verteilt derweil Zuckerrüben, das oben erwähnte Zufutter, auf der Wiese, was die Schafe dann auch vom Holz weglockt. Als die Rüben weggemampft sind, beginnt wieder das Scharren im Schnee. Noch immer sind die Pansen nicht voll. Wir Menschen gönnen uns nun auch eine Brotzeit. Die Stunden vergehen, ich beobachte das sich jetzt gemächlich drehende Windrad und als langsam die Sonne untergeht, fährt mir die Kälte durch die Ärmel unter mein Zeug. Abrupt wird es ungemütlich und die DSC00568.JPGSchafe, die seit Stunden schon ununterbrochen fressen,  beginnen immer noch nicht wiederzukäuen. Verflixt! Hätte ich doch nur ein paar Armstulpen dabei. Nächstes Mal ganz sicher, aber für jetzt begebe ich mich in mein kaltes Schicksal und nach einiger Zeit zum Aufwärmen ins Schäfermobil.

Der Mond steht schon hoch am Himmel, als der Nachtpferch gesteckt und die Herde eingesperrt ist. Wir überlassen die Schafe der Dunkelheit und fahren jetzt zum Stall, wo drei hochtragende Ziegen, die der Schäfer aus der Herde gefangen und in den Viehhänger gesperrt hat, ausgeladen werden. Die Stallarbeiten hat Schäfers Familie bereits erledigt.

IMG_2221.JPGFeierabend für alle! Nach einem wunderschönen Wintertag draußen freue ich mich jetzt auf Zuhause, den warmen Ofen, ein wärmendes Essen und das gemütliche Sofa.

 

Wie wenig komfortabel dagegen war das Schäferleben im letzten Jahrhundert noch. Ein einfacher Karren, gerade mal lang genug für ein Bett für einen nicht zu langen Menschen, mehr Wetterschutz als Behausung:

Dagegen ist ja selbst der alte Bauwagen, der im April für kurze Zeit mein Zuhause war, mit seinen Ausmaßen, der externen elektrischen Versorgung und dem Ofen eine wahre Luxusherberge.

 

 

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