Seminar: Basiswissen für Schafhalter

Es ist schon was dran an dem Spruch „Tue, was Du liebst, und Du musst nie wieder arbeiten“, jedenfalls kann man diese Weisheit auch auf andere Notwendigkeiten als auf Arbeit anwenden: Schulungen z.B. oder sonstige Pflichtveranstaltungen. Sitze ich in Veranstaltungen, deren Besuch eine Pflicht ist und keine Freiwilligkeit beeinhaltet, egal ob Seminar, Abteilungsversammlung oder sonst einem Vortrag,  habe ich immer Probleme, konzentriert bei der Sache zu bleiben. Meistens werde ich hundemüde und muss mich bemühen, nicht einzuschlafen.

Zum Grundkurs Schafhaltung in der Triesdorfer Tierhaltungsschule waren 13 Teilnehmer zusammengekommen, um sich über die kleinen Wiederkäuer zu informieren. In einer kurzen Vorstellungsrunde hörte ich von allen, dass sie bereits in der glücklichen Lage sind, Flächen zur Beweidung zur Verfügung zu haben und das zehn der Teilnehmer bereits schon eine kleine Herde in Hobbyhaltung besitzen. Am ersten Tag wurde neben der allgemeinen Vorstellung der Landwirtschaftlichen Lehranstalten Triesdorf umfangreiches Basiswissen über Schafe vermittelt: Es ging um Schafprodukte, die weltweiten Produzenten, Wirtschaftlichkeit und Ablammung.

Danach folgte ein tierärztlicher Vortrag zur Gesundheitsvorsorge: Behandlungsmöglichkeiten bei Innen- und Außenparasiten durch Wurmkuren, Impfungen und Waschen, Trächtigkeit und Geburt, Klauengesundheit usw., unterbrochen von der Mittagspause. Am Nachmittag wechselten wir vom Klassenzimmer zum Triesdorfer Schafbetrieb. Im Stroh- und Heustadel informierte uns die Schäfermeisterin Frau Smietana über Fütterung beim Weidegang und geeignetes Futter für die Zeit, in der die Schafe im Stall sind. Im Hauptstall, wo zurzeit Mutterschafe mit ihren Lämmern die ersten vier Lebenswochen der Jungen verbringen, hörten wir von Stalltechnik, Einstreu und Ausmisten. Überflüssig zu erwähnen, dass Ställe und Anlage in einem vorbildlichen Zustand waren. Die Herde selbst wurde draußen gehütet und war daher nicht zu besichtigen.

Wir wechselten das Gebäude, und im Trakt mit den Boxen, in denen sich die frisch abgelammten Mutterschafe mit ihren Kleinen befanden, erfuhren wir von  Kenn- und Aufzeichnungspflichten, von denen auch Hobbyhalter nicht verschont werden, und was man als Schafhalter an notwendigen Gerätschaften und Materialien braucht. Die Zeit verging wie im Flug und schneller als sonst war der Tag vorbei.

Am Vormittag des zweiten Tages befassten wir uns weiter mit der rechtlichen Situation eines Schafhalters. Tatsächlich ist es so, dass auch der Hobbyhalter eine Betriebsnummer benötigt, um seine Tiere ordnungsgemäß anzumelden und mit doppelten Ohrmarken die Registrierung öffentlich kundzutun. Der Referent, ein Berater vom AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) gab sich alle Mühe, die Regeln und Gesetze zur schriftlichen Bestandsführung und Dokumentation eindeutig an seine Hörerschaft zu bringen. Seine besonders laute Stimme vermittelte den Eindruck einer gewissen Hilflosigkeit und dem Wunsch, Diskussionen des Unabänderlichen zu vermeiden.

Auch sein Vortrag nach der Mittagspause zu den verschiedenen Schafrassen und ihren Merkmalen wurde wiederholt mit dem Hinweis, das sei auch alles im Internet zu finden, umrahmt. Dieser Unterrichtstag ging leider längst nicht so flott und interessant voran wie der erste.

Am Nachmittag folgte eine weitere Praxiseinheit im bzw. am Schafstall. Zunächst erläuterte Frau Smietana die verschiedenen Möglichkeiten des Zaunbaus: Feste und mobile Zäune, der Auf- und Abbau von Elektronetzen sowie die Handhabung von Weidezaungerät und Batterie. Anschließend ging es um die Klauen, wie die Füße der Schafe korrekt genannt werden. Je nach Bodenbeschaffenheit und Rasse ist die Pflege bzw. das Schneiden der Klauen, ein oder zwei Mal jährlich, evtl. aber auch häufiger nötig. Dunkle Klauen sind nicht so pflegeintensiv und wenn die Tiere nicht nur auf weichem Boden stehen und laufen, nutzt sich das Horn auch in großen Teilen von selbst ab. Ein Pflegeschnitt ist aber trotzdem unverzichtbar.

Zur praktischen Übung stand ein großer Eimer mit tiefgefrorenen Schafsbeinen bereit. Mit Messer, Schere und ein bisschen Überwindung machten wir uns ans Werk. Ganz so einfach wie es bei der Demonstration durch Schäfermeisterin aussah, war das Ausschneiden der Klauen auch nicht – und dabei handelte es sich um totes Material, das nicht herumzappelte! Am Ende hatte ich meine beiden Versuche einigermaßen ordentlich abgeschlossen, fühlte mich aber nicht sicher bei dem Gedanken, diese Prozedur am lebendem Schaf zu absolvieren. Man muss sicher etliche Tiere versorgen, um Routine und Sicherheit zu bekommen und korrekt zu schneiden, dass die Schafe keinen Schaden davontragen. Die Schäferin zeigte den Pflegeschnitt auch noch am lebenden Tier, das dazu erst einmal gefangen und auf sein Hinterteil gesetzt werden musste, und wer wollte, konnte es selbst versuchen.

Die Alternative zum Klauenpflegestand

Die Alternative zum Klauenpflegestand

Eine einzige Teilnehmerin hatte sich getraut, aber mittlerweile waren wir schon außerhalb der geplanten Zeit, es war kalt, die meisten wollten wohl auch schnell nach Hause. Eigentlich schade, wie ich finde – hier hätte ich gern noch mehr Zeit gehabt, um das Gelernte zu vertiefen.

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