Ein durchschnittlicher Tag…

… beginnt zwischen 7 und 8 Uhr mit der Stallarbeit: Sind alle Tiere wohlauf? Dann werden die Tränken kontrolliert, das Kraftfutter aufgefüllt, Heu wird vorlegt und an den Boxen die Wassereimer neu gefüllt. Etwa ein Mal die Woche wird frisch eingestreut.

Heute beginnen wir um 8 Uhr. Nach den Routinen werden die schlachtreifen Bocklämmer ein weiteres Mal von den anderen getrennt. Eigentlich war das schon längst erledigt, aber mit ihrem unnachahmlichen Drang zum Blödsinn machen, in diesem Fall die Knoten der die Hurden sichernden Bänder aufzulutschen und so die Abtrennung ad absurdum zu führen, konnten sie sich wieder fröhlich mit den Kumpels auf der anderen Seite vermischen.

Um 10 Uhr eine kurze Frühstückspause, eine halbe Stunde später lade ich den Hund ins Schäfermobil und fahre zum Wohnhaus des Schäfers, um ihn dort abzuholen und einen weiteren Hund sowie eine frische Batterie für das Weidezaungerät mitzunehmen.

Es ist bereits 11:15 Uhr als wir die aktuelle Koppel erreichen. Schnell den Zaun zur Kontrolle ablaufen, zwei, drei gerissene Litzen flicken und weiter geht es zum Golfplatz, neben dem der nächste Pferch zu stecken ist, während der Schäfer die Herde auf die Hutung führt.

Ich bin gerade mit dem Pferch fertig, als mich ein Anruf von Lutz erreicht. Ich möge bitte sofort mit dem Hänger zur Koppel kommen. Die Brotzeit, die ich mir just eben einverleiben wollte, muss leider warten. Ich starte das Schäfermobil und fahre zur Herde zurück. Oh je, dort liegt ein totes Schaf. Schon wieder hat eines die Torturen dieser Hundstage nicht überlebt. Der Schäfer verfrachtet den leblosen Körper in den Hänger und weist mich an, alles, was dort noch an Material zum Zaunstecken liegt, auszuräumen. Ich wundere mich nicht wenig, aber als wir dann um die Ecke fahren, erwartet mich eine freudige Überraschung: Ein Schaf hat in der Nacht gelammt und Zwillinge zur Welt gebracht! Wir laden die stolze Mutter und auch ihre Lämmer ein, und ich fahre alle vier Tiere in den Stall.

Nun findet die Box, die ich am Vortag vorbereitet, dann aber nicht gebraucht habe, ihre Verwendung. Ich trage die Lämmer dorthin, das Muttertier läuft mir einfach hinterher. Einen Eimer Wasser habe ich schon in die Box gestellt. Ich lasse das kleine Glück allein, um auch den Leichnam auszuladen.

Zwei sind in den letzten 24 Stunden  gestorben, zwei neue geboren – der Kreislauf des Lebens. Bevor ich wieder wegfahre, schaue ich noch schnell nach Mutter und Lämmern und staune nicht schlecht: Im Eimer ist fast kein Wasser mehr! Hatte ich da nicht vor fünf Minuten einen reichlich vollen Eimer hingestellt? Also, nochmals frisches Wasser für die junge und sehr durstige Mutter gezapft und dann aber weiter zur Schäferei, wo ich noch gleich zwei frische Hunde gegen die von der Morgenschicht tausche.

Als ich erneut bei der Herde ankomme, ist es zwischenzeitlich schon nach 15 Uhr. Ich nehme mir jetzt ein paar Minuten für meine Brotzeit. Der Schäfer will schon wieder aufbrechen, ich soll der Herde mit dem Auto bis zum Punkt X folgen, um eventuell liegenbleibende Tiere einzuladen. Von Punkt X aus soll ich zurückfahren, die bereits abgebauten Netze der aufgelassenen Koppel einsammeln und bevor die Herde am Pferchort eintrifft, am angrenzenden Kühberg noch eine Koppel aus mindestens acht Netzen stecken. Puh! Hatte ich in meinem Inserat geschrieben „Praktikantin sucht Herde“ oder stand da etwa „Hexe sucht neuen Wirkungskreis“? Na, egal. Der Rest des Tages wird sportlich.

Lutz geht los, aber so zügig wie er möchte, folgt seine Herde in der immer noch unbarmherzigen Hitze nicht. Die Tiere möchten lieber im Schatten verharren und es kostet einige Zeit, bis sich der Zug langsam in Bewegung setzt. Das Schäfermobil bildet den Abschluss.

Wir hindern einen Bus an seiner planmäßigen Fahrt. Neben dem treibenden Hupen des Schäfermobils hupt nun auch der Busfahrer ungeduldig, was aber gar nichts nützt. Sind die Schafe eh gemütlich unterwegs, heute schluffen sie nur im Zeitlupentempo vor sich hin.

Wir sind gerade um die Ecke, runter von der Straße auf den Triebweg zwischen Mais und Weizen, als ein Schaf liegen bleibt. Auch das noch! Ich steige aus, es lässt sich auftreiben, aber das Fangen will mir nicht gelingen. Schon nach 50 Metern legt es sich wieder hin, dieses Mal lässt es sich nicht auftreiben. Gut achtzig oder mehr Kilo unkooperatives Mähdel krieg ich leider nicht bewegt. Ich lasse einen Hundenapf voll Wasser beim Schaf und folge der Herde in der Gluthitze des Nachmittags bis zum Punkt X, wo ich umkehre.

Auf dem Rückweg steht das Schaf wieder und frisst vom Gras des Weges. Mein Versuch, es zu fangen, schlägt fehl: Erst legt es sich wieder hin und beim Auftreiben entkommt es ins Maisfeld. Dort würde ein Fangversuch vermutlich nur unverhältnismäßigen Schaden anrichten: Ich lasse den Fanghaken am Feldrand, um die Stelle wiederzufinden, fahre zur alten Koppel, lade die Netze ein und mache mich auf zum Kühberg, eine neue Koppel zu stecken. Die Herde ist schon dort, wartet auf der Hutung und als die Koppel fertig ist, sperren wir die Tiere ein.

Nun kümmern wir uns um das entsprungene Mähdel im Mais. Es steht in einer Reihe zwischen den saftigen Pflanzen, ohne sich daran gütlich zu tun. Für Lutz ist es nicht schwer, das Schaf zu fangen. Gemeinsam bugsieren wir es in den Anhänger und fahren in den Stall, wo es eine Wurmkur verabreicht bekommt und in eine gemütliche Einzelbox, die schnell zusammengesteckt ist, gebracht wird. Danach bringe ich den Schäfer nach Hause. Es ist mittlerweile 20 Uhr, der Feierabend kann kommen. Zurück am Stall nochmals die Wassereimer auffüllen, Dora und die Katze füttern und dann kann auch ich die nächste Mahlzeit einnehmen und die Beine hochlegen.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s