An manchen Tagen…

Hut

 

 

 

 

 

 

 

… könnt ich meinen Hut nehmen,

denn die aktuelle Hitze mit Temperaturen über 30° C setzt nicht nur den Schafen zu. Hatte ich vor einigen Wochen im Frühsommer noch gedacht, dass das Zaunstecken am Hang eine gute Alternative zum Bergwandern ist, muss ich jetzt aufpassen, vor lauter gotteslästerlicher Flucherei kein schlechtes Karma zu generieren und zur Strafe dafür den Hang hinunter zu purzeln. Im prallen Sonnenschein verleiht ein Hut zwar etwas Schatten, aber erfrischend ist er trotzdem nicht. Selbst wenn die Sonne den Mittagszenit überschritten hat und es Zeit ist, die Herde wieder auf den Weg zu bringen, kühlt es sich in dieser Gegend bis zum Sonnenuntergang nicht spürbar ab.

Das Wetter hat zur Folge, dass ich unruhig schlafe und wild träume:

Alte oder sonst wie geschwächte Schafe schleppen sich bei diesem Wetter nur mühsam hinter den anderen Tieren her, können den Anschluss nicht halten und wenn sie sich hinlegen, ist es höchste Zeit, helfend einzugreifen. So ein Mähdel wird schnellstens per Hänger in den Stall gebracht, wo es sich in der Krankenstation hoffentlich schnell wieder erholt. Wenn nötig, wird zur medikamentösen Unterstützung auch der Tierarzt hinzugezogen.

Nach der Ankunft im Stall hatte ich für die aktuelle Patientin schnell eine weitere Box aufgestellt, frisch eingestreut und für Wasser und Heu gesorgt. Es war mir auch gelungen, sie aus dem Hänger zu bekommen. Kaum aber, dass sie die Stallgasse betreten hatte, ist sie in sich zusammengesackt und ließ sich nicht wieder auftreiben. Selbst das Locken mit dem gelben Eimer noch der Hund konnten sie überzeugen. Mit grotesk angewinkelten Beinen lag sie im Gang und ich haderte mit meiner Unzulänglichkeit, das Schaf in die Box zu bugsieren. Mensch, Schafi Schaf, nun komm‘, beweg Dich doch, Du kannst doch hier nicht so liegen bleiben, waren meine Gedanken. Ich versuchte das Schaf an seinen Hinterbeinen aufzustellen, doch die knickten immer wieder ein und das Tier ließ sich nicht von der Stelle bewegen. Sollte ich deswegen den Schäfer herbitten? Oh, Mann, das kann doch nicht wahr sein! Bridget Jones mal wieder auf Landpartie. Ich holte den Wassereimer, drehte den Kopf des Tieres in Richtung Wasser und drückte ihn leicht an den Wasserspiegel. Nicht einmal trinken wollte es. Ich beschloss, mich zunächst mit anderen Aufgaben zu beschäftigen und das Schaf später, wenn es sich etwas erholt haben würde, in seine Box zu bringen.

Als ich einige Zeit später zurückkam, hingen Hals und Kopf seitwärts nach hinten gedreht und die Reaktionen auf meine Berührung bzw. meinen Versuch, das Tier aus dieser sichtlich unbequemen Position zu bringen, waren nur sehr schwach. Ich ahnte, dieses Tier würde die Nacht wohl nicht überleben, griff zum Telefon und während ich dem Schäfer über den Zustand seines Schafes berichtet, brach ich in Tränen aus. Verflixt und zugenäht! Das war nicht das erste tote Schaf, das ich gesehen habe, aber es war das erste, bei dessen Sterben ich taten- und hilflos zusehen musste. Am Lichtspiel des Sonnenuntergangs konnte ich mich an diesem Tag nicht freuen.

Nachsatz: Dieser Artikel entspricht nicht einem wahren Geschehen, sondern ist die Niederschrift eines Traums, der sich des Nachts in mein Unterbewußtsein schlich.

 

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