Beruf und Berufung

Seit einigen Wochen erlebe ich den Unterschied zwischen einem Beruf, den jemand aus Berufung macht und das, was  in unserer Arbeitswelt der Angestellten eigentlich nur noch als Job, ein meiner Meinung nach recht abwertender Begriff, bezeichnet wird.

Der Job gibt einem relative Sicherheit, jeden Monat sein Gehalt auf dem Konto zu haben. Die Tage verlaufen gleichförmig und bieten wenig Überraschung. Man geht zur Arbeit und im Regelfall nach gut 8,5 Stunden wieder nach Hause. Manche, aber die sind doch eher die Ausnahme, finden auch als unselbständige Arbeitsnehmer ihre Berufung. Doch selbst die ist nicht mit der eines selbständiges Landwirts mit oder ohne Tierhaltung oder in meinem Beispiel des Schäfers vergleichbar.

Der eigene Acker, die eigene Herde kommen mit einer besonderen Verantwortung daher. Auch wenn man möglicherweise eine Routine entwickeln kann, die einen täglichen Arbeitsbeginn um  7 Uhr vorsieht, so ist die Arbeit nach acht Stunden noch lange nicht erledigt. Die Tage des Schäfers enden selten vor 20 Uhr. Und die Maschinen der Landwirte höre ich an manchen Tagen noch nach 21 Uhr auf den Feldern.

Freie Tage sind beim selbständigen Schäfer die Ausnahme und auch nur dann möglich, wenn er mit einigem Zeitaufwand eine Koppel einzäunt, in der die Tiere fressen können. Freie Wochenenden sind nur machbar, wenn jemand anderes sich um die Tiere kümmern kann. Und einen Urlaub hat mein Schäfer vor 25 Jahren zum letzten Mal gemacht. Da war er mal eine Woche in Südfrankreich.

Wenn man das so erlebt, dann muss man sich wundern, dass es Menschen gibt, die so leben. Freiwillig und aus eigener Entscheidung. Menschen, die für ihren Broterwerb mehr arbeiten, als sich die Mehrheit überhaupt vorstellen kann oder mag. Mit weniger Knurren und Murren als in den letzten Jahre häufig in den Büros zu hören war.  Nee, da muss ich mich nicht wundern, da muss ich wirklich dankbar sein.

Ich habe neulich gelesen, dass aktuell nur noch drei Prozent der deutschen Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeiten. Diese Menschen arbeiten dafür, dass sie selbst und alle anderen im Lebensmitteleinzelhandel, egal ob im Fachgeschäft, auf dem Markt, beim Discounter, ihre Nahrungsmittel kaufen können und das teilweise zu Preisen, dass man nur noch mit dem Kopf schütteln kann. Ob konventionell oder bio spielt hier gerade gar keine Rolle.

Ich frage mich, ob den Käufern eigentlich bewußt ist, wieviel Arbeit, Mühe und Zeit in der Erzeugung der Nahrungsmittel steckt. Oder ob es ihnen egal ist, so nach dem Motto „die (Bauern) müssen das ja nicht, sie hätten sich ja auch einen anderen Job suchen können“.  Es ist verständlich, dass sich nicht jeder zu so einem Beruf berufen fühlt, aber sollte es nicht selbstverständlich sein, den Erzeugnissen und Erzeugern mehr Wertschätzung entgegen zu bringen? Sicher ist vieles systemrelevant und nicht so einfach zu ändern, trotzdem, lieber Leser, liebe Leserin, denkt bitte mal drüber nach.

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