Der Praktikant berichtet

Ein emotional bewegender erster Monat als Praktikantin in der Oberpfalz ist vergangen. Aus verschiedensten Gründen war ich bereits drauf und dran, das Handtuch zu werfen und habe schon nach anderen Möglichkeiten Ausschau gehalten, leider erfolglos. Meine Absichten, eine andere Stelle zu suchen, sind nicht nur darin begründet, dass der Praktikant, so vermute ich, alle unbeliebten Arbeiten aufgedrückt bekommt, wie z.B das Reinigen des Melkeimers und der Melkanlage. Aber damit kann ich mich abfinden (Lehrjahre sind immerhin auch heute noch keine Herrenjahre). Viel weniger gefällt mir der von den Betriebsleitern eigentlich gewünschte hohe Anteil an Käsereiarbeit. Dies ist das Thema, das auch die Azubis und die FÖJlerin nicht erfreut. Ich konnte mich in einem offenen Gespräch mit R. und F. auf einen Anteil von  max. 50 % einigen, doch auch damit sind meine Ansprüche an mein Praktikum nicht wirklich erfüllt – Ansprüche bzw. Erwartungen, die in einfachsten organisatorischen Dingen liegen, wie feste Plätze für die täglichen Gerätschaften Heugabel, Mistforke, Silagegabel, Besen, Schaufel etc. Ein wenig Grundordnung: Wegräumen, was nicht mehr gebraucht wird inkl. des anfallenden Mülls wie Ballenbänder und Silagefolien. Meine Kümmelbäuerin räumt ein, dass jeder Hof seine Müllecke hat (und haben darf). Dieser Hof aber hat mehrere. Schrottiges Zeug lagert in Mengen hinter einer Scheune und über andere Ecken schweige ich hier lieber diskret. Bemerkenswert ist aber, dass diese Mißstände die „Kollegen“ ebenso nervt und dass – wie drücke ich es am besten aus? – die Loyalität zum Arbeitgeber, die für mich zu einem gesunden und intakten Dienstverhältnis einfach dazu gehört, darüber hinaus verloren gegangen ist. Nun gut, das ist jetzt mal so. Auch die Einteilung der Dienste, gerade jetzt, wo Florin im Urlaub ist, erscheint nicht professionell. Einen großen Teil des Arbeitstages rackert sich einer der Azubis allein ab, bis er zur Mittagszeit Unterstützung bekommt. Ich bilde mir nicht ein, dass ich großartig was wegschaffe – sicher besser das bisschen als gar keine Hilfe, ich sehe und höre aber, was nicht gut läuft und stimme den Jungs durchaus zu. Schadnager, die man auch am hellichten Tag immer wieder zu Gesicht bekommt, Saatgut, das verfüttert wird, weil das Getreide nicht reicht und die Zeit des Säens eh schon verpasst wurde, sind nur zwei von mehreren Beispielen.

Auf der anderen Seite habe ich in der Zeit auch Positives erlebt: Mein erster Eindruck, ich bin im Streichelzoo, hat sich nicht deutlich geändert. Nach wie vor freue ich mich sehr über den täglichen Kontakt zu den Tieren, und der alte Bauwagen, der von außen her von sehr viel besseren Zeiten berichtet, gibt mir ein gemütliches und warmes, wenn auch kleines und einfaches Zuhause.


Sämtliche Zipperlein, die mich vor dem Praktikum fast täglich geplagt haben, sind nicht mehr vorhanden. Die körperliche Arbeit tut mir gut. Wenn auch in den ersten Tagen nach der Stallarbeit der Körper gewaltig geschmerzt hat, so haben sich aber die ersten Muskeln gebildet und auch nach einer Karre Futter vollschaufeln brauche ich keine Verschnaufpause mehr. Nach besonders fordernden Tagen bin ich abends fix und alle und nach Dusche und Essen nur noch für die Horizontale zu gebrauchen. Ich schlafe dann lässig 10 Stunden und merke, wie mein Körper die Herausforderung mit weiterem Muskelaufbau beantwortet. Fazit: Einige Tage Stallarbeit schaffen mehr als 6 Monate Muckibude.

Kaum war Florin in den Urlaub aufgebrochen, wurde ich im Melken der Kühe unterrichtet. Den sechs Braunviehdamen eilt der Ruf voraus, etwas eigen und schwierig zu sein und gern mal nach dem Melker zu treten oder auszukeilen. Alles Humbug, wie ich festgestellt habe. Dass keine Dame, ob Mensch oder Tier, erfreut ist und rabiat reagiert, wenn ihr einer ungefragt mit kaltem und nassen Lappen an die Brust geht, ist mehr als verständlich. Und wenn die kitzelige Kuh dann als Zeichen des Protests den Fuß hebt, hilft beruhigendes Sprechen mehr als lautes Schreien – so jedenfalls meine Erfahrung. Mit den Mädels gibt es wirklich keine Probleme, mit dem blöden Melkeimer schon eher. Da brauche ich doch noch Unterstützung, zu mal mir diese ehrenvolle Aufgabe leider nicht als Routine anvertraut wird. Das schöne am Eimermelken: Man kann sich gemütlich an die Kuh lehnen und warten, was gleichzeitig das gute Verhältnis stärkt.

Ebenfalls zu den schönen Tätigkeiten zähle ich das Abstecken bzw. Zäunen der Weiden. Die Tiere dann später hinaus zu bringen bzw. von der Weide zurück in den Stall zu holen, ist eine meiner liebsten Aufgaben, wenn beim Holen der Schafe nicht gerade der junge Schafpudel des Seniors in die Herde fährt und – wie kürzlich geschehen – die Tiere hetzt und sogar verletzt. Das versprungene Schaf hat sich am Ende ganz leicht einfangen und ein Halsband umlegen lassen, sodass ich es zu seiner Herde zurückführen konnte. Ein Glücksmoment für Schaf und Praktikant.

Meine Tage bestehen aus Arbeit und Schlafen, zwischendurch Essen und ein wenig Körperpflege. Zum Lesen oder Stricken komme ich nicht. TV oder Internet habe ich im Bauwi nicht und wie ich jemals auf das schiefe Brett gekommen bin, ich könne nach Feierabend vielleicht mal die Regensburger Muckibude besuchen oder evtl. mein Fahrrad mitbringen und die Gegend zu erkunden, weiß ich auch nicht. Vermutlich habe ich die körperlichen Anforderungen dieser Aufgabe total unterschätzt. Trotz dieses einfachen Lebens oder vielleicht auch gerade deshalb fühle ich mich ausgeglichen und besser als nach einem Tag im Büro.

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